nichts.

Ja, was mache ich damit?
Ich fälle die Buchen + rode das Land.
Ich erricht 1 Zaun, damit es schön abgesteckt erkennbar: das ist mein Land.
Ich bau 1 Haus darauf aus schwerem Stein. So soll es sein.
[…] Ich setz 1 Herde wilder Schafe in 1 Stall + gewöhne sie ans Haus, die werden geschwängert gemolken geschoren, ihre Lämmer geschlachtet.
Ich feier 1 Fest + lade alle Nachbarn ringsherum ein und wundere mich, dass keiner kommt, der mich versteht.
Ich warte, bis ich tot umfalle + in die Erde sinke, jemand Sand auf den Sarg wirft, 1 Kreuz/die Augen auf/einen Bogen schlägt um mein Grab.
Dann sehe ich von irgendwo aus dem Äther aus zu, wie die Schafe aus den Ställen den Zaun durchbrechen, die Buchen aus dem Boden Haus Hütte Heim durchsprießen, bis alles dem Erdboden gleich und wieder von vorne beginnt, und wie kein Sekundenschlag später die Welt mich vergessen und den Rest überholt, der ein paar tausend Jahre lang nun genug Gedanken getragen + Bedenken erschlagen.

Katja Schraml: Nichts. In: keine!delikatessen. Zeitschrift für Literatur. Nr. 21: „Flucht“. 30.09.2016. ISSN 1994-1293.

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