winter_mangel_nostalgie III: schwarz_weiß sch(n)ee

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Drama_lotte

Berliner Jugendlichen-Beziehungsdramolett in fünf Akten.
(Natürlich: nur überhört. Da denkt man sich was zu, aber nix aus.)

1. Akt. Tempelhof-Marienfeld, zwei Mädchen im Bus.

Mädchen 1: Anständig, was heißt anständig? Wenn ich einen Jungen hab, geh ich zu keinem andern.
Mädchen 2: Ja.
Mädchen 1: tippt auf dem Handy. Aber was mich voll nervt, ist, wenn er arbeitet, schreibt er mir gar nicht.
Mädchen 2: Hm. – kurze Pause. – Seit wann seid ihr denn zusammen?
Mädchen 1: Ich wollte ihn erst kennenlernen, aber dann hat er gesagt, 14., komm, das ist so ein schönes Datum, hab ich mich überreden lassen.

2. Akt. Neukölln, später Nachmittag, junger Mann mit Sporttasche auf dem Weg zum Schwimmbad, mit Handy telefonierend:

Naja, ein Model ist sie nicht.

3. Akt. Neukölln, wochtags nachmittags um halb zwei; zwei Mädchen auf der Hermannstraße, bummelnd.

Mädchen 1: Und er so: „Dich hat er doch auch schon durchgefickt.“ Und ich so: „Ah.“
Mädchen 2: Ja.

4. Akt. Wedding, früher Vormittag, ein junger Mann mit Handy läuft über den Nettelbeckplatz, telefoniernend:

Du, die Alte kommt doch immer wieder zurück, sagt er.

5. Akt. Wedding, zwei Mädchen, auf der Müllerstraße, jede mit einem Eis in der Hand, die Sonne scheint.

Mädchen 1: er sagt, er bleibt jetzt immer bei mir
Mädchen 2: Mhm.

weils so schön war

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kreative menschen gibt es überall in Neukölln. ob sie nun versuchen gewerblich ein auskommen damit zu erwirtschaften oder ob der ausdruckswille im vordergrund steht. man findet kunstwerke und künstler nun an jeder ecke. künstler und überkünstler. der schlagabtausch zwischen verfeindeten gruppierungen dabei ist nicht zu unterschätzen. unerwünschte graffittis werden von Kontrahenten übermalt und beseitigt, nicht ohne sensible gestaltungskraft. unkonventionelle lösungen finden dabei besondere Berücksichtigung. anders gesagt: man weiß sich halt zu helfen. ja, es fehlt mir, das ursprüngliche neukölln, es fehlt mir.

fertig

fertig

endlich geschafft. nach so und so viel wenigen jahren. endlich raus aus neukölln. jetzt, wo der aufstieg da. jetzt wo der flughafen weg und das feld da. jetzt wo die mieten steigen die cafes florieren und die jugend selbst gemalte bilder in ihren erdgeschosswohnzimmern ausstellt, in fremden sprachen spricht und singt und glücklich unterm abendschein und im Sonnenuntergang tanzt auf den Straßen. jetzt bin ich weg. ich wohn jetzt wedding. back to neukölln by going wedding. so schauts aus. schön wars. schön wirds. hoffen mias.

nur überhört

Situation: Abends, viertel vor acht, Neukölln Leinestraße, zwei Männer aus der U-Bahn heraus Richtung Norden gehend.

Exposition: Der eine, mit dem Ellbogen den anderen in die Seite stoßend, lachend, sich die Mütze aus der Stirn in den Nacken schiebend, zum anderen, der, die rechte Hand aus der Hosentasche ziehend, sich unter der Nase mit dem Ärmel wischend, hochziehend, von ganz unten, runterziehend, ausspuckend, wischend, den Hosenbund hochziehend, dann die Hand wieder in die Hose zurücksteckend neben ihm geht und auf den Fußboden stiert:

Diktion: „Du, der neuen Bedienung hat noch niemand an die Titten gefasst.“

tippididu

die letzten wintertage unbedingt nutzen und sich schuberts winterreise im stadtbad steglitz hingeben: wie immer keine rezension, da schon zu viele germanisten sich der kritik lieber hingeben als dem genuss, nur ein wort: bereichernd. und so viel: folke paulsen muss man gehört haben. ganz nah dran in der alten wäscherei. Stadtbad Steglitz: Die Winterreise (Alte Wäscherei).*

ps: wenn es nicht zynisch klänge, sich folke paulsens (und komplettiert josef bierbichlers, dies ja gibt) version der winterreise als aufzeichnung zum mit heimnehmen zu wünschen, um die einsamkeit im stillen konsumieren und aufnehmen zu können – würde ich es wohl an dieser stelle tun. so aber lieber noch mal hingehen wegen: gem(einsam).

pps: wäre trotzdem schön: aufzeichnung mit ton und bild. bitte. danke.**


*3.4.16: Link funktioniert nicht mehr, da stadtbad steglitz geschlossen.

**na bitte: jutup und juhup

 

tippididu

wer sich mal wieder fragt, welchen künstler jetzt sich zu gemüte führen, und andy goldsworthy nicht kennt: gleich mal zum bücherladen und einen bildband kaufen (wirklich kaufen: konsumieren, den künstler durch den kauf des bandes unterstützen (und den verlag, den teuren, da kommt man nicht drumrum)).

wer erst mal schauen will, der tut das hier z.b. Andy Goldsworthy Digital Catalogue: Home. aber das waren ja nur die anfänge … und unbedingt anschauen: die dokumentation rivers and tides (von thomas riedelsheimer). wegen der musik. und der poesie. der kameraführung. und überhaupt wegen des hauptdarstellers. vorgeschmack: YouTube – Rivers and Tides 1.flv.

(leider kein foto von mir hier von originalkunstwerken; folgt sobald ich schottlands grüne hügel und das rote fell seiner langhaarrinder durchkämme nach überbleibseln des vergänglichen. oder hier in neukölln eine ausstellung läuft: in der hasenheide oder auf dem alten flughafen, da wär jetzt platz für ein paar schleifen und steine. blätter. äste. in formation. nature art against fashion week. wer macht mit?)

wer war noch mal

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(c) kaschpar

freit?

wieder eine wichtige historische persönlichkeit, deren namen und funktion sowie heroische taten ich vergessen habe?

oder ein tier (ein hohes)?

ein museum?

oder handelt es sich hier um ein vielsagendes wortspiel: die freiheit stirbt mit sicherheit. was ihr auch tut, wie es auch wird, man hat uns schon eingeengt, beschnitten, bewacht, gekürzt (um drei buchstaben). dann wäre das nicht nur ein verdammt gutes wortspiel – das wäre ja ein symbol des (momentanen – ständigen) zustands der freiheit an sich: freit. so sieht es aus. kein platz für mehr. freit. wir werden auf der hut sein müssen, denn so fängt es an: freit statt freiheit. bald haben sie uns alles aufgedeckt, entschlüsselt, angesehen und eingeschränkt. bald liegt die freiheit tot vor uns auf dem boden, wir trampeln darüber und wieder zurück, bis wir sie dem erdboden gleichgemacht haben im gleichschritt marsch weiter dahin mit grauem gesicht tarnfarbenhose schwarzem stiefel asche aufs haupt. bald gibt es keine wahrheit mehr – oder was sage ich, logisch folgernd muss es heißen: es gibt schon keine wahrheit mehr, es gibt nur noch wahrt. nur noch sichert. menschlicht. herzlicht. – –

vielleicht gar nicht mal so schlecht. die substantive verkürzt auf auf einen imperativ. freit eure liebe. wahrt die menschlicht. sichert die freit. die reglosig(kei)t der substantivierung zerschmettert durch die agitative imperialisierung – falsch – imperativierung – oder – egal. auf jeden fall: aktion. aktivität. rote fahnen. massenfreit. und schon passen beide absätze wieder zusammen!

freit. auch gut wäre gewesen: freit stirbt zu letzt. aber freit stirbt mit sicherheit?

mit sicherheit wie sicherlich oder sicherheit wie ohne gefahr? aber wer war dann freit? doch was zum essen?

aufklärung

auf dem bahnsteig u8 hermannplatz, anschließend in der u8 bis boddinstraße, bis zum bahnsteig boddinstraße war heute zusammen mit mir und all den anderen imwinteroderimmerubahnfahrern ein bärtiger bemützter mann unterwegs, der, ohne eine seiner beiden plastiktüten auch nur einmal auf dem boden abzustellen, alle fahrenden gäste mit äußerster sachlicher gewissenhaftigkeit auf das projekt „mk ultra“ aufmerksam machen wollte, ein geheimes menschenforschungsprojekt des cia zur bewusstseinskontrolle, das 1977 abgebrochen worden sei.

ich fühle mich verpflichtet, dies weiter und bekannt zu geben aus drei gründen:
1. der mann sagte ausdrücklich, er wolle, dass alle menschen von diesem projekt erführen
2. 12 monkeys
3. 1977 ist mein geburtsjahr.
leider habe ich im schnelldurchgang keine seriöse internetseite gefunden, die einen bericht dazu geschrieben hätte; lediglich einen hinweis auf einen zdf-dokumentarfilm.
werde das bei gelegenheit machen und mal nachschauen oder nachlesen. oder jemandem davon erzählen, der das dann macht. oder dann nachher dann wenn ich dann zeit habe

dann. wenn ich freie zeit dann. dings. na?! dings.

ach so. ja. dann

so.
was war da heute los auf der u8? was war da heute wieder los in der stadt, sag ich euch. ein wahnsinn überallenthalben. überall verrückte. nicht nur in neukölln. überall.
nicht hinschauen. bloß nicht. die reden nicht mit dir. die reden mit sich selbst.
einfach weitergehen.
einfach weitergehen.
einfach
weiter
gehen
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