vom ab_ + einspringen & gelegenheiten er_greifen.

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(c) kaschpar

danke, liebe graugans, für die 1_dazu_ladung zum erzählprojekt!

und herzliche grüße an die runde am feuer.

es war mir 1 freude. (und das sag ich nicht oft.)

hier gehts zu den hört_hört_geschichten.

und für all jene, die (auch/immer/noch) schwierigkeiten haben, mich zu verstehen, so sprachlich gesehen – obwohl ich gerade zu beginn wie ich jetzt meine extra_em langsam gesprochen habe – s.u. der geschriebene text.

(aber s wird schriftlich nicht besser, glauben Sies mir. das ganze germanistikstudium hat nichts gebracht. danken Sies den bajuvaren.)


Geschichten am Feuer. Kapitel 7. Katja Schraml

Womöglich wenn wahrscheinlich

Unter dem Donnern der Flugzeuge, die geradewegs die Schneise schlagen, die ihnen vorgeplant, und dem Zwitschern der Vögel, die aufgeregt abgeschwirrt hin + her vom Lärm ganz durcheinander, sitze ich im Grünen inmitten des maisonnensommerlichen Tags, oben am Beginn der Treppe, da lehnt es sich gut gegen den Stein, der denkmalerisch hier die Mitte markiert. Die Flattergeister spielen für mich den Hintergrund zum Geleit. Bist du bereit?

Womöglich wenn wahrscheinlich: kehrt alles wieder.
Wieder sich um + um sich – wie wir uns kehren, die Reste der Feste zusammenaufwegkehren vor dem Haus, jeden Morgen. Dann leeren wir die Schaufel + stellen sie in die Ecke, warten auf den nächsten Tag, an dem wir von Neuem beginnen, weil über Nacht, wenn wir schlafen, der Wind uns unbemerkt allen Staub aus dem Leben wieder vor die Tür geweht.

Womöglich fangen wir immer wieder von vorne an. Wie jeder, der neben uns in der Runde, 1 Stück auf dem Weg uns mitgegeben, 1 Plunder aus dem Korb, in dem Erich Fried das Misstrauen fand, seitdem glauben wir uns nicht mehr, wer wir sind + suchen uns immer neu, versuchen, der Welt zu entfliehen, uns auf die Schwingen zu heben, die was weiß ich wer uns gegeben, uns auf den Weg zu begeben, über den Dingen zu schweben. Und wissen doch nicht, wies geht.

Wollens nicht wissen, werfen die Kugel, die blaue, die das Akkordeon-Mädchen uns in die Hand gedrückt, wieder zurück in die Welt, weil durch sie mit ihr hinter ihr im blauäugigen Schein unser Auge die Wahrheit erkennt, dass immer mehr möglich, als wir im nebelgrauen Alltag gedacht.

Wollens nicht wissen + lassen uns lieber ver_rücken in 1 weißen Schutzmantel aus Angst, dass der Flug nur Flucht, und wir wie Ikarus einem Traum zu nahe kommen + abstürzen: wer fliegen will muss dran glauben, dass es auch klappt, dass man nicht abknickt auf halbem Weg, muss vertrauen auf den Wind und seinen Wellenkamm, der selbst den schwerfälligen Albatros mühelos abertausende wasserweit über Meere trägt, und glauben an sich selbst, an die eigene Fähigkeit, das Können das Vermögen die Kunst. Und arbeiten gegen die Schwerkraft, täglich, die Trägheit, die Reibung, die einen am Boden halten will: die sich gegen das Fortkommen stemmt mit all ihrer Masse. Arbeiten, wie gesagt¹: an der Erab_lösung mit dem eigenen Willen zur Veränderung.

Wahrscheinlich hätt ich wissen sollen, dass sie zurückkommt, dass ich dem Wissen nicht entfliehen kann, weils in mir angelegt, mir aus dem Rücken wächst wie gesagt²: ein gefiederter Traum, der Flugschatten wirft. Mir immer auf dem Fuße folgend, nur wenn ich den Kopf in die richtige Richtung drehe, dann mir sogar ein Stück voraus.

So lange wir aber nicht die Ebenen durchkreuzen, nicht Distanz Abstand Höhe genug, um die Übersicht zu erhalten, so lange bleiben wir am Eisen haften, das magisch magnetisch uns an die vorgegebenen Spuren kettet. Und wagen wir den ersten Schritt: Über die Gleise hinüber die Schienen entlang über Felder hinweg zum Hafen den Schiffen folgend, wo nur ein Mädchen wirklich sieht, was hinter uns in uns steckt: so kehren wir doch am Ende wieder zurück. Als ob man festgefahren auf 1 Bahn, die, wenn man nur wüsste wie – wenn man nur könnte – modale Wahl – wenn man nur wollte – auch Flugbahn werden kann, Anflug Abflug. So aber bleibt alles Ausflug, ein kurzer Traum, viel Laub unter der Uhr, die stechend tickt + tickt.

Wenn wir aber einfach noch nicht so weit waren?
Noch nicht fertig bereit gerichtet. Wie oft muss man sich seiner selbst vergewissern, bis man sich dran halten kann? Wie viele weiße Blätter schwärzen, bis 1 farbiges Bild entsteht. Wir erhalten die Durchsicht + werfen sie wieder weg, wir finden die Flügel + stoßen sie ab. Wie viele Wörter stecken nur in ihren spitzweichen Federn? Die ungesagt fallengelassen einen stummen Teppich uns breiten, auf dem unsere Schritte unerhört ungehört verhallen.

Am Ende muss man gewichten: welche Angst größer – sie gegeneinander auf der Waage ums Vorrecht sich wiegen lassen in ihren Gedanken + Bedenken. Die Angst abzustürzen oder die Angst festzufahren. Und ehrlich gesagt: wer weiß schon, wie schlimm das sein mag: ein Sturz aus einer Idee: wer weiß was unten wartet einen aufzufangen.
Was auch immer man braucht haben muss bekommt. Glück Zufall Schicksal. Mir ist alles gleich viel Wert, ich achte jetzt auf die Zeichen. Seit ich das erste Mal die weißen Schatten gesehen durchs Blau, winken sie mir aus allen Spiegeln. Ich sammle sie auf nacheinander und reihe sie ein, füge sie zusammen zu einem Band, das geschickt geflochten den Halt mir bieten soll, nur zur Sicherheit, das zieh ich hinter mir her, ein weißer Streifen am Horizont voller Geschichten.

So also streunt ich am Bahnsteig entlang, die Holzbohlen beklopfend auf ihre Tragfähigkeit hin, streifte striff griff ins Gras, den kommenden Sommer zu riechen, nahe den Holunderbüschen, die ihre Blüten verschenkten, leuchtende Sternensträuße.
Und da – wer hätte es anders gedacht – wenn man zurückkehrt dorthin, wo man angefangen, da hab ich sie wiedergefunden, schadlos im Blütenmeer gebettet, schlafend den Finder erwartend, blaublumig glänzend.
Und endlich erkannt, was das Phrasenschwein reich werden ließ: Man muss loslassen, um aufgehen zu können.

Ein Stück hab ich sie weitergetragen, wieder die Gleise entlang, hinüber, mitten in die Stadt hinein, in den lärmenden Sog der Größe, hinein in die mächtige Masse, in das Läuten + Schellen der Wägen + Märkte, mit dem Hall der hinteren Höfe durch den Staub der engen Gassen, im Rauch der rasenden Alleen zum begradigten abgesicherten Ufer hinauf den Kanal, über Bäume + Statuen hinweg wie im Film unter den Flugzeugen hindurch mitten hinein in den großen Park, der den Hasen + Füchsen gehört.

Da gibts 1 Stelle, hoch oben am Fuße der Säulen, eine versteckte Nische, in die man sich wie die Akkordeonspielerin damals versenken kann + allen allem ent_geht, inmitten 1 fantastischen Aussicht.

Dort lass ich sie wieder los, die Kugel, im holden Mai, weil im Frühling immer alles möglich, weil alles neu aufblüht + aufwächst + anders werden kann. Lege sie sacht auf den Boden und lasse sie langsam über den Stein rollen, dass sich in ihrem Spiegel der Himmel mit ihr streite ums schönere Blau.

Womöglich wenn wahrscheinlich. Findet sie mich wieder.


¹In Ahnlehnung an: Kapitel 3: Silvia Springer. Das stille Gleis
²In Anlehnung an: Kapitel 1: Ludwig Zeidler. Johann ohne Ziel

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11 Gedanken zu “vom ab_ + einspringen & gelegenheiten er_greifen.

  1. Christiane 6. Juni 2016 / 08:06

    Ein wunderbar poetischer und tiefer Text. Schön, dass du dabei bist! (Und hey, ich als Nordlicht verstehe dich gut!)
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • kaschpar 6. Juni 2016 / 08:35

      Liebe Christiane, vielen Dank dir! (Das jahrelange Großstadtsprachtraining macht sich doch langsam bemerkbar ;-)) lgk

      Gefällt 1 Person

  2. Graugans 10. Juni 2016 / 00:31

    Großartig verdichtet und so wunderschön gelesen und ich bin so voller Freude, daß Du mitgemacht hast…allerherzlichsten Dank für Dich und Deine Poesie! Liebe Grüße von Deiner Graugans

    Gefällt 1 Person

  3. Heidrun Regina 14. Juni 2016 / 12:28

    Bin be – ein – druckt von deinen Wort – aus – Flügen!

    Vielleicht fliegt AUS mir dadurch etwas weiter…
    … was EIN – geschlossen war.

    Danke!

    Gefällt 1 Person

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