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Konsumentenkurzgeschichte zum Nikolaustag. Unterwegs auf der Linie U5 zwischen Lichtenberg und Tierpark.


 

6. Dezember: Nikolaustag

Unterwegs mit der U5 zwischen Lichtenberg und Tierpark.

Sichtlich ein zusammengehörendes Pärchen mit Kinderwagen. Sie mittlerweile ihre ehemals blonden Haare aufgrund anderer Anschauung oder dummer Sprüche anderer Leute schwarz gefärbt, dünne Strähnen senkrecht nach hinten straff zusammengebunden zu einem dünnen Pferdeschwanz, sichtlich noch keine achtzehn, weiße Pluderjacke, federngefüllt, dunkelblaue Jeans mit hellen, ausgewaschenen großen breiten Streifen auf den Oberschenkeln, die schlank machen und unten in Cowboystiefeln stecken. Er dazu passend, geölt und gekämmt, in grüner Bomberjacke und heller Jeans mit weißen nigelnagelneuen blitzenden Turnschuhen. Das Kind im Kinderwagen, sichtlich unruhig. Die Bahn fährt ein, er steigt zuerst ein, das Mädchen hantiert mit dem Wagen. Im Stauraumbereich, wo sie einsteigen will, bereits ein Fahrradfahrer.

–          Hallo!

–          Was denn?

–          Kannst du nicht anpacken oder was?

–          Du wirst doch das Ding hier reinkriegen, jetzt hab dich nicht so!

–          Wenn der da im Weg steht!

–          Rück mal zur Seite hier, siehste nicht Frau mit Kind kommt hier!

–          Aber hier ist doch genug Platz.

–          Was fährst du überhaupt mit der Bahn? Räder sollten grundsätzlich nicht mit der Bahn fahren dürfen. Wozu hast du denn das Rad?

–          René! Hallo!

–          Das geht Sie ja wohl gar nichts an. Hier ist Platz, ich zahle meine Karte.

–          Jetzt pack doch mal an hier, Mann, soll ich alles alleine machen oder wie?

–          Jetzt geh schon weg mit dem Ding da, siehste nicht dass meine Frau hier nicht her kann oder was?

Fahrradfahrer flucht und quetscht sein Rad an die Seite, Frau mit Kinderwagen inmitten des hinteren Abteils, er setzt sich hin.

–          Was soll denn das? Wir fahren doch nur zwei Stationen.

–          Kann mich doch hinsetzen hier, was haste denn heute schon wieder?

–          Und ich soll hier rumstehen oder was?

Sie setzt sich hin, Kind fängt an zu schreien.

–          Was haste denn nun wieder gemacht? Warum schreit denn die jetzt?

–          Ja vielleicht siehst du mal nach? Soll ich immer kucken oder was?

–          Ja bist du die Mutter oder wie?

–          Ja wer bist du denn hör mal?

–          Jetzt geh hin verdammt, das Gör schreit so laut, die kucken alle schon hier!

–          Dir haben sie doch ins Gesicht gespeit!

Sie steht auf, geht zu dem Kind, holt es aus dem Wagen, setzt sich wieder mit dem Kind auf dem Schoß.

–          Ich glaub du spinnst wohl. Sieh du dich doch an.

–          Ach was soll ich mich ansehen, hä? Was soll ich?

–          Ja genau, was sollst du dich ansehen. Läuft ja dein eigenes Spiegelbild davon.

–          Du brauchst reden, Scheißfresse.

–          Halts Maul oder

–          Oder was? Dir haben sie doch ins Gesicht geschissen.

–          Du siehst doch Scheiße aus, Alte.

–          Ach ja? Halt du doch die Fresse ja? An mir bleibt alles hängen und er macht hier den Macker oder wie?

–          Vor allem das Fett bleibt an dir hängen, hast du dich schon mal angekuckt?

Friedrichsfelde. Kind fängt wieder an zu schreien.

–          Halt dich mal zurück jetzt, du machst mir das Kind noch ganz krank mit deiner Scheiße.

–          Ach ich mach das Kind krank ja? Du stopfst es doch voll bis zum Kotzen, nur weil du selber frisst die ganze Zeit!

–          Da muss man doch fressen bei so nem Säufer wie dir! Kann man doch nicht anders, wenn er die ganze Zeit vor der Glotze hängt und zwitschert eins nach dem anderen. Zum Kotzen fressen muss man da, zum Kotzen!

–          Ja wenn du nur mal kotzen würdest, dann wärste wenigstens nicht so fett nach all dem Gefresse!

–          Halt dein Maul du Arschloch!

–          Dumme Sau.

Kind schreit, sie weint. Er steht auf.

–          Für wen mach ich das hier eigentlich? Fahr ich wegen mir in den Zoo oder was?

–          Da kannste gleich bleiben, bei den Affen!

–          Und du bei den Elefanten! Oder den – wie heißen denn die dicken mit dem Ding, na?

–          Du bist doch so blöd, echt, den ganzen Tag Glotze und dann nichts wissen, das ist der Hammer, echt.

–          Von wegen Glotze, wegen dir und der Fiona fahr ich hier mit, kostet einen Haufen Kohle der Zoo hier, aber sie macht einen auf blöd, echt Scheiße hier. Warum macht man bloß den ganzen Dreck, echt, so ein Dreck. Nikolaus, echt zum Kotzen. Echt. Diese ganze Nikolausscheiße hier.

–          Fahr doch nach Hause, ich brauch dich nicht!

–          Ja dann fahr ich!

–          Ja fahr doch!

–          Ja dann fahr ich!

Tierpark. Sie nimmt das Kind auf den Arm, geht hinaus. Er sieht ihr nach, packt den Kinderwagen und schiebt rückwärts hinaus.

–          Sandy! Sandy jetzt warte doch! Ich habs doch nicht so gemeint! Mausi! Bleib stehen!

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